Ich war Vorschoter, Oli übernahm die Pinne und die Großschot. Wir segelten langsam los, er hielt das Großsegel in Griff, ich kümmerte mich um Fock und gab ihm Tipps, was er wann und wie machen könnte. Ich sprang mal ins Boot, mal ritt ich aus dem Boot aus, um die Jolle wiederaufzurichten. Der Baum traf Oli beim Wenden auf dem Kopf. Mit der Verlängerung der Pinne kam er nicht zu Recht. Er hatte genug vom Steuern. Wir tauschten die Rollen.
– Hast du den Film „Open water“ gesehen? – fragte ich.
– Es gibt zwei, meinst du den mit der Yacht und die Leute, die vom Boot springen?
– Genau! Und wo am Ende nur zwei überleben und das Baby!
– Ich finde so etwas unrealistisch. – meinte Oli.
Ich schrie auf. Oli war überrascht und war ins Wasser gesprungen. Oder gefallen. Ich hatte die Kontrolle über die Jolle verloren. Mein Gewicht hatte nicht ausgereicht, die Jolle wiederaufzurichten. Ich versuchte, über den Seitenrand aufs Schwert zu springen, rutschte ab, fing mich noch rechtzeitig und robbte über den Rumpf. Das Schwert war schon mehr als sechzig, siebzig Grad zur Wasseroberfläche, das hieß, wir waren nah am „Durchkentern“. Mir fehlte das entscheidende Kraftmoment, um mich über dem Rand zu schwingen. Ich rutschte wieder ab. Das Wasser war lauwarm. Die Stiefel waren schwer geworden. Ich schwamm ums Boot. Das Schwert war von dieser Seite noch höher, ich bin zu klein. Oli kam um das Heck geschwommen. Irgendwie hatte er es geschafft, aufs Schwert zu klettern.
Die Szene ist filmreif, dachte ich. Ich hielt mich mit einer Hand fest am Schwertrand, hing mit Beinen im warmen Wasser, meine obere Hälfte peitschte der Wind Stärke 6, der mein Haar zerzauste. Die Gummistiefel waren irre schwer, zogen mich zurück in die dunkle See. Ich werde seitlich Löcher machen, wenn ich nach Hause komme. Irgendwo müssen die Löcher hin, das Wasser muss aus den Stiefeln auslaufen können in so einer Situation.
– Gib mir deine linke Hand!